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Soziale Entwicklungen im Mittelalter

Bauern im Mittelalter in Schleswig

Während man unter der Bezeichnung „Bauer“ in der dänischen Wikingerzeit einen Vollbürger verstand, also einen kriegsfähigen Mann, der zum Thing er schien und seine Angelegenheiten selbst vertrat, bedeutete das Wort im Laufe des Mittelalters einen Landwirt, der seinen eigenen Hof besaß, also je manden, der Eigentum hatte. Im Laufe des Mittelalters tauchte auch ein anderer Typ Landwirt auf – nämlich ein Mann, der Abgaben zahlte, um einen Hof zu bewirt schaften. Im Spätmittelalter und später nannte man einen solchen Bauern einen Festebauer, während man ihm im 13. und 14. Jahrhundert als Landbewohner bzw. Kätner be­zeichnete. 
In Sønderjylland gab es, wie auch im übrigen Dänemark, nicht nur Höfe, die von Eigentümern oder Festebauern bewirtschaftet wurden. Das Mittelalter ist der Zeitraum, in dem Geistlichkeit und Feu dalherren auftreten. Diese Stände lebten von den Einnahmen der Güter, und auch wenn sie oft ihre Ländereien an Kätner und Festebauer vermieteten, konnten die Ländereien auch für andere Formen verwendet werden. Oft wurden die Ländereien um den Haupt hof herum von Häuslern be­wirtschaftet, also Leuten mit kleinen Höfen, die im Zeit raum 1200 – 1350 als Insten bezeichnet wurden, oder sie verdingten Ge legen heitsarbeiter. In der Zeit um 1200 – 1350 gingen viele Gutsbesitzer dazu über, ihre großen Höfe auf Teihaberbasis zu verpachten. Man konnte einem sogenannten „bryde“ (Villicius oder Meier) den Hof überlassen, ihn mit einem Viehbestand ausstatten und jedes Jahr den Ertrag mit ihm teilen. Diese Form hielt sich aller dings nicht lange. Diese teilhaberbasierte Nutzungs form gehört dem 13. Jahrhundert an, in dem die Erde gerodet wurde und die Preise an zogen. Im 14. Jahrhundert änderte sich die Entwicklung.
Das 14. Jahrhundert, und insbesondere die zweite Hälfte, wurde durch Krieg, Sturmflut und die Pest geprägt. Die Sturmflut von 1362 überschwemmte große Teile der schleswigschen Westküste, aber besonders die Pest, die das Land in den Jahren 1349–50 heimsuchte, führte zu einem Be völkerungsrückgang, der wiederum zu erheblichen Schwierigkeiten bei der Be wirt schaftung der großen Höfe führte. Sie mussten vollständig aufgegeben wer den. In Sprengel Vedsted (Gram Harde) lag der Hof Keldholm mit zuge hö rigen Fischteichen, den der Bischof von Schleswig 1289 kaufte, und wo er sich mit seinem Hof 1311 aufhielt. 1437 war der Hof verödet und die Län der eien durch Wald bewachsen. Es war vernünftiger, die großen Höfe aufzulösen und die Län dereien für Bauern zur Verfügung zu stellen. In Sundeved führte der Bi schof von Schleswig bei spielsweise um 1460 eine Regulierung aller seiner Be­sitzungen durch, bei der größere Höfe aufge teilt, und die Ländereien den kleineren zugeteilt wurden. Aus den vorher acht Höfen entstanden dann elf Höfe.
Probleme mit der Arbeitskraft bedingten also Veränderungen der Landwirt­schaft. Die vom Eigentümer oder von Pächtern bzw. Meiern geführten Gutshöfe verschwanden in großem Umfang. Der bäuerliche Familienbetrieb zeigte in die ser angespannten Situation seine Durch schlagkraft. Dies be­deutete, dass die Menschen, die bisher ein kümmerliches Dasein auf kleinen Höfen als Häusler und Meier hatten fristen müssen, nun die Möglichkeit zu größeren Höfen er hielten. Auf diese Art entstand im Laufe der Zeit eine Annäherung der nor ma len Höfe. Die Pachthöfe wurden zum Nor mal fall und erreichten die gleiche Größe wie die Freihöfe, die weiterhin in Sønderjylland die Regel waren. Anfang des 16. Jahrhunderts betrug die Gesamtzahl der Höfe in Sønderjylland – Pacht- und Freihöfe zusammen – insgesamt 14.500.

Im 15. Jahrhundert und Anfang des 16. Jahrhunderts konnten die Bauern ihre Position stärken. Es gab keine großen Unterschiede mehr zwischen Pächtern und Festebauern. Sie arbeiteten bei der Bestellung im Dorf zusammen, und sie konnten nach außen hin gemeinsam auftreten. Viele Bauern wurden wohl ha bend. Mit dem Rinderhandel, der in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts auf blühte, konnte gutes Geld verdient werden. Gewinne wurden auch durch den Verkauf von Pferden und Getreide und dem Geldverleih erzielt. Dadurch entstand in den Dörfern eine Gruppe von reichen Bauern. Eine be sonders pri vilegierte Gruppe dieser Bauern wurde als Freibauern be zeichnet.

Man kann es folgendermaßen zusammenfassen: während der Stand der Bauern sich in den ersten Jahr hunderten des Mittelalters herausbildete, ent stand in den letzten Jahrhunderten des Mittelalters die Form, die bis in unsere Zeit zu finden ist.

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