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Politische Entwicklungen in der Neuzeit

Die Herzöge und die Aufteilung des Herzogtums

Nach dem Tode König Frederik I. im Jahre 1533 musste man im Königreich und den Herzogtümern einen neuen Herrn finden. Formal hatten die Stände der Herzogtümer selbst das Wahlrecht, aber tatsächlich spielte auch die Erbfolge des Königsgeschlechtes eine erhebliche Rolle. Im Gegensatz zum Königreich entschieden sich die Stände bereits 1533, und huldigten den vier Söhnen des verstorbenen Königs als den neuen Herren. Als der einzige mündige Sohn übernahm Herzog Christian (der spätere König Christian III.) vorläufig die Herrschaft im eigenen Namen, und in dem der noch nicht mündigen Brüder. Im Jahre 1544 wurde die endgültige Teilung zwischen den Brüdern durchgeführt. Allerdings hatte der jüngste Bruder – gegen das Versprechen, anderweitig bedacht zu werden – seine Forderung abgetreten. 
 
Die Herzogtümer wurden so aufgeteilt, dass alle Herzöge gleich große Einkünfte aus ihren Herzogtümern erhielten. Dies bedeutete, dass alle verstreut gelegene Gebiete in beiden Herzogtümern zugesprochen bekamen. Damit sicherten die Stände gleichzeitig, dass Schleswig und Holstein weiterhin miteinander verbunden waren, und dass die Möglichkeiten der Herzöge, zu starke und selbstständige Fürstentümer zu schaffen, eingeschränkt wurden. Güter, Prälaten und Städte wurden von der Teilung ausgenommen und der gemeinsamen Verwaltung übertragen.
 
Der jüngste Bruder, Adolf, entschied zuerst und erhielt Gottdorf als Residenzschloss. Der König entschied sich für Sønderborg und die Stadt Flensburg, und Hans (der Ältere) wählte Haderslev als Sitz aus. Die beiden jüngeren Brüder begannen nach der Teilung damit, ihre neuen Herzogtümer aufzubauen und zu stärken. Insbesondere Adolf war initiativreich und schaffte einen regelrechten Fürstenstaat, während der kinderlose Hans kaum die gleichen Ambitionen hatte.
 
Nach dem Tode von Christian III. wurde eine Teilung wieder aktuell, diesmal betraf sie aber nur die königlichen Teile der Herzogtümer. Von den drei Söhnen des Königs wurde der eine anderweitig versorgt, und damit betraf die Teilung nur König Frederik II. und den jüngsten Bruder Hans (der Jüngere). Hans wurde 1564 Als und Plön in Holstein überlassen, aber auf der nachfolgenden Versammlung weigerten sich die Stände, ihm zu huldigen. Hans der Jüngere erhielt deshalb keine Anteile an der gemeinsamen Regentschaft.
 
1580 starb Herzog Hans der Ältere kinderlos. Die Frage nach dem Erbrecht an seinem Eigentum und seinen Besitzungen führte zu Unstimmigkeiten zwischen dem König und Herzog Adolf, der der Auffassung war, dass der König als Neffe nicht erbberechtigt sei, wenn es einen leiblichen Bruder gäbe (ihn selbst). Die Angelegenheit wurde 1581 durch einen Kompromiss gelöst, dem zufolge Adolf alle bewegliche Habe erhielt.
 
Das Herzogtum von Herzog Hans hingegen wurde zwischen Adolf, dem König und Hans dem Jüngeren geteilt. Adolf erhielt die Ämter Tønder und Løgumkloster, sowie Nordstrand, Fehmarn und das Kloster Bordesholm in Holstein. Dem König wurde das Amt Haderslev, Tørning Lehen und das Amt Rendsburg zugeteilt. Hans der Jüngere erhielt dann Güter im Amt Haderslev und das Kloster Ryd.
 
Im Rahmen der Teilung wurde jedem Herzog eine Anzahl Ämter zugesprochen, in denen der einzelne Herzog – und auch der König – eine Art Großgrundbesitzer war, der seine Einkünfte von den Bauern erhielt. Jeder Herzog bestimmte allerdings auch über zahlreiche andere lokale Fragen – beispielsweise im Zusammenhang mit Brücken und Wegen oder auch der Armenfürsorge.
 
Eine Reihe von eher übergeordneten Fragen wurde allerdings weiterhin gemeinsam für alle Herzogtümer von den regierenden Herzögen und dem adligen Landtag entschieden. Allgemeinere Gesetze wurden für das gesamte Schleswig und Holstein gemeinsam beschlossen, einschließlich der sogenannten Verordnung von Haderslev von 1614, die de facto die Leibeigenschaft auf den meisten Adelsgütern einführte. Gemeinsam wurde auch über Krieg und Frieden, sowie über Fragen der Steuererhebung entschieden, da Steuern in erster Linie die Militärausgaben decken sollten. Es gab auch einen gemeinsamen oberen Gerichtshof für das Herzogtum. Nicht zuletzt wurden alle Fragen, die den Adel und die adligen Güter betrafen, direkt von der gemeinsamen Regierung und dem obersten Gerichtshof, dem adligen Landgericht, entschieden.
 
In der gemeinsamen Regierung wechselten sich König, Herzog von Gottdorf und bis 1580 Herzog Hans der Ältere im Vorsitz ab. Hans der Jüngere und seine Nachkommen wurden hingegen nie als regierende Herzöge anerkannt, und nahmen deshalb nie an der gemeinsamen Regierung – und an den gemeinsamen Steuereinkünften - teil.
 
Wie früher das Geschlecht der Herzog Abel strebte auch der Herzog von Gottdorf nach weitest gehender Selbstständigkeit gegenüber dem dänischen König. Insbesondere Johan Adolf (Herzog 1575-1616) bestrebte sich, ein tragfähiges modernes Fürstentum aufzubauen. Ihm gelang es 1608, das Erstgeburtsrecht durchzusetzen, das durch Umgehung des Wahlrechtes der Ständeversammlung sicherstellte, dass das Herzogtum ungeteilt an den ältesten Sohn vererbt wurde, Friedrich (1616-59). Er gab 1621 der neu gegründeten Stadt Friedrichstadt seinen Namen und setze den vom Vater begonnenen Ausbau des Schlosses in Gottorf zum kulturellen Zentrum der Herzogtümer mit Bibliothek, Verbindungen zu Künstlern und Nordeuropas größter Gartenanlage fort. 
 
In der Mitte des 17. Jahrhunderts ging die gemeinsame Regierung mehr und mehr in Auflösung. König und Herzog von Gottdorf bauten nicht nur jeder eine eigene Verwaltung auf, sondern allmählich auch jeder sein eigenes Militär. Im Jahre 1658 nutzte der gottorfer Herzog die Niederlage Dänemarks gegen Schweden aus, um volle Souveränität für sein Herzogtum zu erreichen. Dies bedeutete, dass er nun völlig legal sein eigenes Heer unterhalten, und eine eigene Außenpolitik ohne Rücksichtnahme auf den König führen konnte. Danach galt die gemeinsame Regierung nur noch für den Bereich der Adelsgüter. 
 
Ein wichtiger Unterschied zwischen der Rolle des Königs und des gottorfschen Herzog für Sønderjylland war, dass der König nur in kurzen Perioden vor Ort war. Der Großteil der zentralen Verwaltung des königlichen Teils der Herzogtümer erfolgte während des gesamten Zeitraums von Kopenhagen aus, während es in den Herzogtümern einen königlichen Statthalter, eine Regierungskanzlei in Glückstadt, und ab 1713 zusätzlich einen obersten Gerichtshof in Schleswig gab. 
 
Gottdorf hingegen war Zentrum einer Zentralverwaltung und ein Hof. Gleiches galt bis 1580 für Haderslev, und in geringerem Umfang für Sønderborg in der Zeit von Hans dem Jüngeren. Selbst Nordborg und Glücksburg verfügten während längerer Zeiträume über kleine Höfe und eine kleine Zentralverwaltung, und hatten damit im Prinzip einen Status, den kein anderer Provinzort im Königreich hatte. Diese Höfe wurden allmählich kleine Zentren für Politik, Verwaltung, Kunst und Wissenschaften. Entsprechende Zentren gab es praktisch nicht im königlichen Teil von Sønderjylland.
 
Die Herzöge von Gottdorf und Haderslev, sowie Hans der Jüngere markierten ihren Status durch den Bau von Schlössern und deren Ausstattung mit Kunstschätzen. Am vornehmsten waren Gottdorf und das Schloss „Hansberg“ von Hans dem Älteren in Haderslev, aber auch in Tønder und Tönning, Sønderborg, Nordborg und Glücksburg wurden neue Schlösser gebaut, oder die alten umgebaut. Eine solche Entwicklung gab es nicht in den königlichen Gebieten. Die Könige begnügten sich mit den ererbten Schlössern, oder übernahmen sie nach und nach von anderen Herzögen, als die Könige allmählich wieder die Herzogtümer unter sich vereinten.

Die Aufteilung des Herzogtums im 16. Jahrhundert

Noch 1460 im Vertrag von Ribe hatte König Christian I. Schleswig und Holstein zugesichert, dass sie zusammen bleiben sollten „up ewig ungedeelt“. Er starb 1481.

1490 sodann wurden die Herzogtümer erstmals aufgeteilt unter den beiden Königssöhnen Hans und Friedrich. Das Land wurde in Querstreifen eingeteilt, die sich jeweils von der Ostsee bis an die Nordsee erstreckten und von Norden nach Süden abwechselnd den neu geschaffenen beiden Landesherrschaften zugeschlagen wurden.

Die Aufteilung geschah dabei nicht anhand von Flächengrößen, sondern anhand der aus dem Land jeweils zu erwartenden Einkünfte. Herzog Friedrich wählte den nach dem Sitz der Landesherrschaft – das Schloss Gottorf bei Schleswig – so genannten Gottorfer Anteil. Nach dem Tod von König Hans und nach dem Sturz von dessen Sohn König Christian II. waren die Länder ab 1523 unter der Herrschaft Friedrichs I. und ab 1533 unter dessen ältestem Sohn Christian III. wiedervereinigt.

Im Jahre 1544 kam es sodann zur zweiten Landesteilung, diesmal zwischen dem König und den Prinzen Johann und Adolf. Herzog Johann bzw. Hans (der Ältere) entfaltete seine renaissancefürstliche Energie beim Auf- und Ausbau seiner von Hadersleben aus regierten Herrschaft, zu der im folgende schleswigsche Gebiete gehörten: Die Ämter Als, Æro, Hadersleben, Løgumkloster und Tønder sowie die Landschaften Nordstrand, Osterland-Föhr und Sylt. Als Herzog Johann der Ältere 1580 kinderlos starb, wurde sein Anteil unter die beiden anderen aufgeteilt.

Seither bestand der gottorfer Anteil, Basis für das zeitweise eigenständige gottorfer Herzogtum im schleswiger Gebiet vor allem aus den Ämtern Apenrade, Gottorf und Husum, Løgumkloster und Tønder sowie den Landschaften Eiderstedt, Nordstrand, Osterland-Föhr und Sylt. Dem König, der hier als Herzog regierte, fielen im schleswiger Gebiet die von Sonderburg aus regierten Ämter Als, Bredstedt, Flensburg, Hadersleben und Nordangeln zu. Die Insel Ærø sowie die Ämter Nordborg und Soønderborg auf der Insel Als fielen 1564 an die so genannten „abgeteilten Herren“, die hier als bis zum Aussterben der Linie 1779 als Herzöge von Sonderburg regierten.

Seit dem 15. Jahrhundert gehörten einige Enklaven im Gebiet des Herzogtums Schleswig direkt zum dänischen Königreich. Das waren: Listland im Norden der Insel Sylt, der Südteil der Insel Røm, Westerland-Föhr mit Amrum, die Lohharde nördlich von Møgeltønder sowie das Stift Ribe. Bestimmte Teile des Landes, so etwa die adligen Güter in Angeln sowie zwischen Aabenraa und Gråsten unterstanden der gemeinsamen Regierung beider Landesherren.

Die Grenzen der Verwaltungseinheiten richteten sich nach natürlichen Gegebenheiten und nach den im 15. Jahrhundert festgelegten Linien. Sie überstanden im Wesentlichen die verschiedenen Herrschaftswechsel. 1713 nach der Niederlage der Schweden im Großen Nordischen Krieg kam der Großteil der Ländereien von Gottorf, das mit Schweden verbündet war, zurück an den königlichen Anteil. Der landesherrliche Teil des Grenzlandes stand nun wieder unter der Herrschaft des Königs, der hier aber bis zum Übergang Schleswig-Holsteins an Preußen 1867 als Herzog von Schleswig herrschte.

Der König und die Gottorfer

Während des dänisch-schwedischen Krieges 1643-45 erkaufte Herzog Friedrich sich Neutralität, im nächsten Krieg 1658 alliierten die Gottorfer sich mit den Schweden und konnten damit den schwedischen Sieg über Dänemark ausnutzen, um volle Souveränität zu erlangen. Dies war für den dänischen König unannehmbar, der sein Reich umringt sah. Die Zeit von Herzog Christian Albrecht (1659-94) war durch harte Konflikte mit Dänemark gezeichnet, aber auch durch den fortgesetzten Ausbau staatlicher Aktivitäten, wie beispielsweise die Gründung der Universität in Kiel 1665. 
In Zusammenhang mit dem dänisch-schwedischen Krieg wurde der gottorfsche Teil von Schleswig 1675-79 und erneut 1684-89, sowie im Jahre 1700 besetzt. Während des großen nordischen Krieges 1709-20 versuchte Gottorf zunächst, Neutralität zu bewahren, stellte aber 1712 die Festung Tönning den schwedischen Truppen zur Verfügung. Diese mussten jedoch 1713 vor dem dänischen Heer kapitulieren.
Danach war das gottorfsche Herzogtum besetzt, bis es 1721 dem König gelang, den gottorfschen Anteil von Schleswig der Krone einzuverleiben. Daran schloss sich allerdings keine administrative Harmonisierung - Schleswig behielt, gemeinsam mit den königlichen Teilen von Holstein, eine gemeinsame Verwaltung. Der gottorfsche Teil von Holstein gelangte erst 1773 im Zusammenhang mit einem Grundstückstausch mit Oldenburg in die Hände des Königs. 
Auch der zu Sønderborg gehörende Teil von Sønderjylland gelang dann in die Hände der Krone. Nach dem Tod von Hans dem Jüngeren 1622 wurde das im Voraus nicht sehr große Herzogtum zwischen seinen zahlreichen Söhnen aufgeteilt, und in Schleswig entstanden die Herzogtümer Glücksburg, Sønderborg, Nordborg und Ærø, sowie Plön in Holstein.
Das Herzogtum Ærø wurde bereits 1633 nach dem Tode des Herzogs zwischen den vier anderen Brüdern aufgeteilt. Auch die anderen Herzogtümer waren auf Dauer nicht lebensfähig. Sønderborg ging bankrott und wurde 1668 dem Gebiet des Königs eingegliedert. Das gleiche geschah in Nordborg 1669, allerdings wurde es ein Jahr später unter der Plöner Linie wieder als Herzogtum eingerichtet.
In den Jahren 1722/29 erwarb der König unterdessen die Güter auf dem nördlichen Als und Ærø (die holsteinischen Reste des Herzogtums Plön erwarb der König 1761). Danach war in Schleswig nur noch Glücksburg verblieben. 1749 kaufte der König den glücksburger Anteil von Ærø, und erhielt 1779 beim Tode des letzten Herzogs das übrige Herzogtum.
Zurück blieben die Herzöge von Augustenborg. Sie stammten von Alexander von Sønderborg ab, der zwei jüngere Söhne hatte, von denen aber keine das Herzogtum erbte. Der eine Sohn, August Philip, wurde Offizier in Deutschland, und sein Geschlecht verlor gänzlich die Verbindung zum Landesteil, bis ein entfernter Nachkomme 1863 als König Christian IX. den dänischen Thron bestieg.
Der zweite Sohn, Ernst Günther, wurde Stammvater des Herzogsgeschlechts Augustenborg. Er versuchte, dass Herzogtum Sønderborg nach seinem bankrott gegangenen Bruder zu erhalten. Die lehnte der König allerdings ab, ernannte ihn aber zum Amtmann über das Amt Sønderborg. Nach und nach konnte er die Mittel aufbringen, um die königlichen Besitzungen in Stavnsbøl und Sebbelev zu erwerben. 
Die Höfe in Stavnsbøl wurden still gelegt, und auf diesen Ländereine entstand ca. 1660-63 der Herrenhof Augustenborg, der seinen Namen nach der Ehefrau von Ernst Günther bekam. Augustenborg wurde damit kein Herzogtum, wie Sønderborg es früher gewesen war. Trotzdem bezeichneten sich Ernst Günther und seine Nachkommen nach deutscher Sitte als Herzöge. Sie hatten Bedeutung als Offiziere und Amtmänner, und als Eigentümer eines stetig wachsenden Güterkomplexes; der Erwerb der umfassenden Güter von Gråsten 1725 machte sie zu dem größten Gutsbesitzern im Herzogtum Schleswig.

Königstreue und Gesamtstaatpatriotismus

Nach Einverleibung der gottorfschen Teile des Herzogtums Schleswig unter die dänische Krone 1721 versuchte die absolutistische Königsmacht, ihre Stellung durch zielgerichtete Königspropaganda zu festigen. Dies äußerte sich besonders im Zusammenhang mit den großen Anlässen im Königshaus, wie Taufen, Hochzeiten, Krönungen, Beisetzungen und königliche Geburtstage. Dazu kamen noch die besonderen Anlässe wie 1749 das 300-jährige Jubiläum des oldenburgschen Königshauses und 1760 der 100. Jahrestag der Einführung des Absolutismus.

Die Festtage des Königshauses wurden mit Gottesdiensten, Schulfesten und der Veranstaltung von Bürgerfesten durch die Stadträte gefeiert. Die Königsmacht war auch besonders bei den zahlreichen Besuchen der Könige in den Herzogtümern deutlich. In den Städten wurden Ehrenpforten errichtet, Häuser wurden festlich erleuchtet, die Bürgerwehr hielt eine Parade zu Ehren des Königs ab, Lobgedichte wurden vorgetragen, die Zuschauer hatten sich aufs feinste herausgeputzt, der König wurde von den örtlichen Würdenträgern empfangen, es wurde zu festliche Tafeln eingeladen usw.. Anfangs inspizierten die Könige hauptsächlich militärische Einheiten, aber nicht zuletzt unter Frederik VI. und Christian VIII. wurde das Besuchsprogramm auf zivile, staatliche Einrichtungen ausgeweitet, die persönlich durch die beiden Könige kontrolliert wurden. Für Christian VIII. war dies nicht nur Arbeit, sondern er hielt sich auch jedes Jahr zu Badeferien auf Föhr auf und machte Familiebesuche in Augustenborg.
 
Die ländlichen Bereiche genossen nicht die gleiche königliche Aufmerksamkeit, wie die Kleinstädte, aber viele Landbewohner hatten die Gelegenheit, den König während der Reise zu sehen, und es kam auch vor, dass Bauern in die Stadt führen, um den König zusehen. Aus zahlreichen bäuerlichen Aufzeichnungen kennt man Formulierungen wie "unser König" oder "unser allergnädigster König" in Zusammenhang mit dem dänischen Monarchen. Sein Bekanntheitsgrad, die Kenntnis seiner Person und seine Bedeutung als Herrscher der Monarchie war auch bei schleswigschen Bauern hoch. Im bäuerlichen Denken gab es eine festgewachsene Vorstellung von König als Hüter der nicht privilegierten Stände gegenüber „den hohen Tieren“ – also Gutsbesitzern und Beamten, die dem Bauer „das Recht“ verweigerten. Bei Konflikten versuchten die Bauern daher, die mittleren Instanzen zu übergehen und sich mit ihren Klagen direkt an den König zu wenden. Dies war eine stark verbreitete Auffassung bei vielen schleswigschen Bauern bis 1848.

In den Städten traf die absolutistische Staats-, Königs- und Systempropaganda ab dem Ende des 18. Jahrhunderts auf den nach vorne drängenden Patriotismus des Bürgertums. Wo die offizielle Königspropaganda dem Bürger eine passive Rolle als Zuschauer anwies, forderte der Patriotismus der Aufklärung einen aktiven Einsatz der Bürger zum Nutzen des Staates und des Gemeinwohls. Auch wen der König weiterhin hoch über den allgemeinen Bürgern stand, gab es dem patriotischen Gedankengang zufolge einen ungeschriebenen Vertrag zwischen König und Untertanen, gemeinsam zum Wohle des Staates zu wirken. Das Bürgertum tat sein bestes in Form von zahlreichen, nutzorientierten Maßnahmen, wie der Einrichtung von allgemeinbildenden und beruflichen Schulen, Gewerbebetrieb zur Beschäftigung der Armen, die damit ein Auskommen haben konnten, Einrichtung von Armenhöfen, Gründung von patriotischen Gesellschaften und Vereinen, Förderung der Landwirtschaft usw.; außerdem stellten sie sich zur Verteidigung durch die Gründung von Bürgerwehren zur Verfügung. Im Gegenzug hörte der König nach dieser Auffassung auf die patriotischen Wünsche des Bürgertums. Meinungsfreiheit war ein entscheidendes Element in diesem ungeschriebenen „Vertrag“.

Im dänisch-norwegisch-schleswig-holsteinischen Gesamtstaat beherrschte diese patriotische Ideologie die gesamte aufkommende bürgerliche Öffentlichkeit in allen Teilen der Monarchie. Über die sprachlichen Grenzen hinweg stellten sich die führenden Bürger geschlossen hinter den dänischen König, Regierung und Staat. Dies galt auch – und vielleicht vor allem – in den Herzogtümern in Schleswig und Holstein. Dieser Gesamtstaatspatriotismus war mehr als nur Königstreue; zwar war das Lob des Monarchen ein Hauptelement des öffentlichen Lebens, es richtete sich aber eher an den König als Symbol des Staates, und nicht so sehr an ihn als einen absolutistischen Fürsten.

Der Gesamtstaatspatriotismus umfasste auch andere gemeinsame Einrichtungen des Gesamtstaates, wie z. B. die Flotte, und bezog sich auf die Gleichwertigkeit der verschiedenen Territorien innerhalb der Monarchie. Daraus ergab sich ein besonderer Nimbus von København als der gemeinsamen Hauptstadt. Der Gesamtstaatspatriotismus war solide in der neutralen Außenpolitik der Regierung verankert, die Seefahrt, Handel und Wohlstand sicherte, und in der Innenpolitik, mit ihren zahlreichen fortschrittsfreundlichen Gesetzen über Meinungsfreiheit, Staatsangehörigkeitsbestimmungen, Landwirtschaftsreformen, Schulreformen usw.. Sie erhielt während der Kriege gegen England 1801 und 1807-14 weiteren Zuspruch, als überall gefühlsgeladene patriotische Initiativen ausgelöst wurden, beispielsweise Einsammlungen zugunsten der Hinterbliebenen von Verwundeten und Gefallenen, zum Aufstellen von Wachtposten und Milizen oder zu freiwilligen Beiträgen für Kanonenbooten. Auch wenn der Staatsbankrott 1813 und der Verlust von Norwegen 1814 mit den Krisen der nachfolgenden Jahrzehnte und der Reformpause die gesamtstaatlichen patriotischen Gefühle schwächte, war er doch in den 30er und teilweise  auch den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts noch vorhanden.

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