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Vorschulische Betreuung

Tagespflege südlich der Grenze

Seit vielen Jahrzehnten ist die Tagespflege in der Bundesrepublik Deutschland und insbesondere in den alten Bundesländern eine bewährte und anerkannte Betreuungsform für Kinder. Im SGVB VIII (Kinder- und Jugendhilfegesetz) ist die Tagespflege gleichrangig neben den Kindertagesstätten (KiTa) als familienergänzende Leistung der Jugendhilfe zur Förderung von Kindern genannt. Sie weist die Besonderheit auf, dass sie von Privatpersonen, den Tagespflegepersonen, im häuslichen Rahmen erbracht wird. 
Die Tagespflege als Alternative zur Kindbetreuung in Krippen
Die Tagespflege hat einen Schwerpunkt als Alternative zur Kindbetreuung in Krippen, d.h. in der Förderung von Kindern im Alter von null bis drei Jahren, da für Kinder ab drei Jahren eine Kindertagesstätte zur Verfügung gestellt werden muss (§ 24 SGB VIII). Der zweite Schwerpunkt liegt in altersgemischten Gruppen mit flexiblen Zeiten als Ergänzung zur KiTa, die ebenfalls altersgemischte Gruppen anbieten, als Betreuungsform nach der Schule.

Die Tagespflege wird durch die öffentliche Jugendhilfe (SGB VIII) gefördert, jedoch obliegt die Ausgestaltung der Länderhoheit und kommunalen Selbstverwaltung. Diese haben auch die Verantwortung, ein geeignetes und ausreichendes Beratungsangebot, durch die Jugendämter sowie weitere Beratungsstellen in freier oder kirchlicher Trägerschaft, für die Pflegepersonen ebenso wie für die Eltern vorzuhalten. Den Kreisen obliegt die Prüfung der Qualitätssicherung der Tagespflege.

Wenn im Haushalt der Tagespflegeperson mehr als drei Kinder in Tagespflege betreut werden (§ 44 SGB VIII), ist die Tagespflege erlaubnispflichtig. Eigene Kinder der Tagespflegeperson bleiben dabei unberücksichtigt. Ab dem vierten Tageskind muss für jedes weitere eine Pflegeerlaubnis einzeln erteilt werden. Die Erteilung der Pflegeerlaubnis gehört zu den hoheitlichen Aufgaben des Jugendamtes. Die Pflegepersonen bekommen für den Aufwand für die Tagespflegestätte, die Förderung und Beköstigung der Kinder einen festen Zuschuss, die übrigen Kosten werden von den Eltern getragen.

Tagesbetreuung in Privathäusern nördlich der Grenze

Die Betreuung von Kindern in Privathaushalten begann in Sønderjylland / Nordschleswig, nachdem ein vom dänischen Parlament "Folketing" 1964 beschlossenes Gesetz es ermöglichte, eine zuschussberechtigte, von Seiten der Kommunen organisierte Betreuung einzurichten. Damals wurde die Tagesbetreuung als vorübergehende Maßnahmen, als Notlösung angesehen, da mit der kräftig wachsenden Zahl von Frauen, die auf den Arbeitsmarkt drängten, ein erheblicher Betreuungsbedarf aufkam.
Dafür war die Betreuung durch Tagesmütter ideal. Diese Lösung erforderte nicht die Errichtung von neuen Institutionen, denn die Kinder konnten in privaten Häusern betreut werden, und bei dem Personal handelte es sich um Frauen, die gerne arbeiten wollten, allerdings im eigenen Heim. 
Es dauerte nicht lange, bis der "vorübergehende" Charakter aufgehoben wurde und die Betreuung durch Tagesmütter sich zu einem wesentlichen, umfassenden und anerkannten Teil des öffentlichen Betreuungsangebotes entwickelte. 
Nun gibt es zahlreiche Privatwohnungen, in denen jeden Tag Kinder im Alter von bis 3 Jahren betreut werden. In einer Tagesbetreuung werden typischerweise vier Kinder betreut, an manchen Tagen bis zu fünf, wenn Kinder von anderen Tagespflegern wegen Krankheit, Ferien usw. übernommen werden. Als die Betreuung durch Tagesmütter eingeführt wurde, galt die Regelung für Kinder bis zum Alter von sieben Jahren.
Die Tagesbetreuung ist in Gruppen organisiert, die sich in Spielstuben treffen, wo die Tagespfleger Erfahrungen austauschen können, gemeinsame Aktivitäten organisieren und die Kinder ihre sozialen Kompetenzen in einer Gemeinschaft mit anderen Kindern einüben können.
Eine Tagesbetreuung hat 48 Stunden pro Woche geöffnet. Die Tagespfleger stehen unter der Aufsicht von ausgebildeten Pädagogen, die oft angemeldete oder unangemeldete Kontrollbesuche durchführen.
Die Betreuung in privaten Haushalten, die seinerzeit als eine Notlösung gedacht war, ist inzwischen zu einem erheblichen Umfang angewachsen, und ein großer Teil der heutigen Kinder wird zunächst dort betreut. Was früher eine reine Betreuungslösung war, ist heute auch ein Angebot, in dem die Kinder Kompetenzen entwickeln sollen, nachdem zu Anfang des neuen Jahrtausends das Sozialministerium Lehrpläne für die Betreuung durch Tagespflege eingeführt hat.
Damit wurde festgestellt, dass die Betreuung durch Tagespfleger in wachsendem Umfang seit den Anfängen zur Schaffung von sicheren Rahmen für die Jüngsten beigetragen hat, und zugleich den Kindern das Erlernen erster Fähigkeiten durch zielgerichtete und bewusste Arbeit mit ihrer persönlichen, sprachlichen und motorischen Entwicklung im Zusammensein mit anderen Kindern usw. ermöglicht. Gleichzeitig bilden Tagespfleger und Pädagogen auch ein Netzwerk, das beurteilen kann, ob bei einem Kind besonderer Handlungsbedarf besteht.
Die Eltern von Kindern in der Tagesbetreuung haben durch mit Eltern besetzte Vorstände, die per Gesetz 1996 eingeführt wurden, Einfluss auf die Betreuung. Die Vorstände werden jährlich von den Eltern gewählt.
Die Eltern zahlen einen Teil der Aufwendungen für die Betreuung durch Tagespfleger. Im Jahre 2006 betrug der Anteil 25 %. Früher lag dieser Anteil bei 33 %, aber die kleinen Jahrgänge und der Wunsch, die Geburtenrate in Dänemark zu steigern, führte zu einer Herabsetzung des Elternanteils als Beitrag zu einer Verbesserung der Verhältnisse für Familien mit Kindern.
Es begann als Notlösung. Und man sprach von "Tagesmüttern". Jetzt nennt man es "Tagesbetreuung", denn es gibt auch männliche "Tagesmütter" in Dänemark.

Kindertagesstätten (Kindergärten) südlich der Grenze

Gemäß § 24 SGB VIII hat ein Kind vom vollendeten dritten Lebensjahr bis zum Schuleintritt Anspruch auf den Besuch einer Kindertagesstätte (KiTa). In Schleswig-Holstein gibt es insgesamt 1.635 Kindertageseinrichtungen mit 93.643 Plätzen. Nach dem neuen Kindertagesstättengesetz (KiTaGesetz vom 25.10.2005) haben diese einen klaren Auftrag: Die Betreuung, Erziehung und Bildung der Kinder sicherzustellen und die kindlichen Kompetenzen zu fördern.

Bildungsrichtlinien 
Darüber hinaus hat die Landesregierung Bildungsrichtlinien erarbeitet, an denen sich die Betreuung und das Angebot orientieren sollen. Schwerpunkte des Bildungsauftrags liegen vor allem in der Sprachförderung und der Förderung der naturwissenschaftlichen und mathematischen Grundbildung, wobei die Kitas in dem vorgegebenen Rahmen ihre Prioritäten individuell setzen können. In § 4 Abs. II Kindertagesstättenverordnung (KiTaVO) ist neben der Qualitätssicherung der Betreuung auch der Rechtsanspruch näher definiert: Ein allgemeiner Rechtsanspruch besteht auf mindestens 4 Stunden an 5 Tagen in der Woche.

Rechtsanspruch auf eine Kindertagesstätte 
Kindergärten können öffentlich-rechtliche, freigemeinnützige oder konfessionelle Träger haben. Die Kreise und kreisfreien Städte als örtliche Träger der öffentlichen Jugendhilfe haben im Rahmen ihres Planungs- und Sicherstellungsauftrags ein bedarfsgerechtes Angebot zu planen und sicherzustellen. Ihnen steht frei, den allgemeinen Rechtsanspruch auf eine Kindertagesstätte in ihren Jugendhilfeausschüssen auf einen individuellen Rechtsanspruch zu erweitern, wie z.B. in der Stadt Flensburg geschehen (5-stündig für Kinder unter 3 Jahren).

Das Angebot an Kindertagesstätten wird zum Teil durch die Eltern und zum Teil durch die Kommunen finanziert. Der individuell zu tragende Beitrag der Eltern beläuft sich auf ca. 1/3 der Kosten, damit das Land und die Kreise die vollen Personalkostenzuschüsse übernehmen. Das verbleibende Defizit müssen dann die Kommunen tragen.

Betreuungslandschaft
Typisch für Flensburg ist der dänische Beitrag zur Betreuungslandschaft mit 15 Kindertagesstätten, die sich an den skandinavischen Maßstäben für Gesellschaft und Bildung orientieren und somit eine erzieherische Alternative bilden. Insgesamt gibt es in Flensburg 105 Regelkindertagesstätten, 12 altersgemischte Gruppen, 7 Integrationsgruppen, 26 Horte und 3 Wald-/Naturgruppen.

Auch in den anderen Kreisen des Grenzlandgebiets wie Nordfriesland, Schleswig (14 KiTas, vier dänische KiTas), Husum (neun KiTas, eine dänische KiTa) und Rendsburg-Eckernförde gibt es die Möglichkeit, dass Kinder einen dänisch oder friesisch ausgerichteten Kindergarten besuchen, wenn die Eltern durch die Vorschulerziehung den regionalen gesellschaftlichen und bildungspolitischen Besonderheiten der Region Rechnung tragen möchten.

Insgesamt werden nach Auskunft der Landesregierung dänische und friesische Sprachangebote zurzeit von 10 Kita-Trägern vorgehalten, die ca. 659 Kindern die friesische und ca. 540 Kindern die dänische Sprache vermitteln. Dies geht aus einer Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage hervor. Diese finden Sie im Internet: www.lvn.parlanet.de/infothek/wahl16/drucks/0800/drucksache-16-0878.pdf

www.flensburg.de
www.husum.de
www.nordfriesland.de
www.schleswig.de
www.rendsburg-eckernfoerde.de

Kindergärten nördlich der Grenze

Gemäß dem dänischen „Gesetz über den sozialen Service“ sind die Kommunen verpflichtet, die erforderliche Anzahl Plätze in Kinderkrippen, Tagespflege, Kindergärten, Kinderhorten und Tagesstätten anzubieten. Es sind Angebote, die unter dem Stichwort Tagesbetreuung zusammen gefasst werden. Der Kommune obliegt die Verantwortung für Einrichtung, Betrieb und Aufsicht.

Die Tagesbetreuung kann entweder als kommunale oder als eigenständige Institution eingerichtet werden, als gemeinsam betriebene Einrichtung oder als private Einrichtung. Ursprünglicher Zweck der Kindergärten war das Angebot der Kinderbetreuung, um Frauen als Arbeitsmarktreserve zu erhalten. In den letzten Jahrzehnten traten jedoch mehr und mehr die pädagogischen Qualitäten in den Vordergrund. Allmählich wurden klare Erwartungen an die Rahmenbedingungen formuliert, und darüber, was die Kinder lernen sollen.

Betreuungsgarantie 
Die Kommunen müssen Betreuungsgarantien für alle Kinder im Alter von sechs Monaten bis zum Eintritt in die Vorschulklasse gewähren.

In Sønderjylland gibt es traditionell zahlreiche eigenständige Tageseinrichtungen. Unter anderem verfügen die deutsche Minderheit in Sønderjylland und die christlichen Freikirchen über eigene Betreuungseinrichtungen. Dank Zuschüssen der öffentlichen Hand unterscheidet sich das Kostenniveau nicht wesentlich von dem der öffentlichen Kindergärten.
In einigen Gemeinden ist es möglich, dass Kinder zu Hause oder in einem anderen Heim betreut werden – die sogenannte „Gemeinsame Ordnung (Puljeordning)“.

Man kann seine Kinder auch in anderen Kommunen betreuen lassen. Beispielsweise ist es unter gewissen Umständen möglich, seine Kinder in der Gemeinde betreuen zu lassen, in der man arbeitet.

Kosten
Die Gemeindevertretung legt fest, was der Kindergartenbesuch kostet, und ab welchem Alter Kinder auf eine Warteliste gesetzt werden können. 
Für Kinder bis zum Schulalter bezahlen die Eltern ein Viertel (Stand 1.1.2007) der Betriebsaufwendungen. Dies liegt typisch in einer Größenordnung von 1.300 – 1.400 DKK pro Monat. Allerdings wird Geschwisterrabatt gewährt – für Kind Nummer 2 und nachfolgende Kinder wird nur die Hälfte gezahlt. Aus pädagogischen oder wirtschaftlichen Gründen können Freiplätze gewährt werden.

Spielen und Lernen
Oberste Behörde ist das Ministerium für Familien- und Verbraucherfragen. Die Regierung gibt die Rahmenbedingungen für Kinder in Kindergärten usw. vor. Diese Rahmenbestimmungen befassen sich mit Fürsorge, Spielen, Lernen, Kultur und Umwelt. Ausgehend von diesen Rahmenbedingungen sind alle Tagesmütter, Kinderkrippen und Kindergärten verpflichtet, pädagogische Lehrpläne aufzustellen. Diese Lehrpläne sollen, wie der Name andeutet, definieren, was die Kinder lernen sollen. Möglich ist eine themenorientierte Formulierung; beispielsweise, wie das einzelne Kind lernt, mit anderen umzugehen (soziale Kompetenzen), oder wie sichergestellt wird, dass das Kind die dänische Sprache lernt. 
Auch haben die meisten Einrichtungen einen Geschäftsplan erstellt, der die Einstellungen und Werte der Einrichtung beschreibt. Außerdem hat jede Kommune ihre eigene, spezifische Ideegrundlage für diesen Bereich.

Ab Juli 2006 sind alle Institutionen verpflichtet, eine schriftliche Darstellung für den Bereich Kinder anzufertigen. Diese muss u.a. eine Darstellung der physischen, psychischen und ästhetischen Aspekte enthalten.

Mitarbeiter
Das Personal der Einrichtungen zur Tagesbetreuung besteht aus Erziehern mit einer Ausbildung eines Erzieherseminars, und pädagogischen Helfern. Die tägliche Leitung obliegt einem Leiter und einem stellvertretenden Leiter. 
Auch das Verhältnis zwischen der Zahl der Angestellten und der Zahl der Kinder (Normierung) liegt in der Verantwortlichkeit der einzelnen Kommunen. Je nach Politik und wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit der Kommune variiert die Anzahl der Mitarbeiter.

Bei Tagesmüttern und in Kinderkrippen findet man typisch einen Erwachsenen für vier Kinder, in Kindergärten einen Erwachsenen pro acht Kinder. In den Freizeitheimen / Kinderhorten ist die Anzahl Mitarbeiter etwas geringer.

Mitwirkung der Eltern
Jede Einrichtung muss einen Vorstand haben. Damit haben die Eltern die Möglichkeit, Einfluss auf die pädagogischen Prinzipien und die Wirtschaftlichkeit der Institution zu nehmen. In den privaten Einrichtungen stellt der Vorstand das Personal ein.

Die Kommunen formulieren die konkreten Richtlinien für die Tagesbetreuung. Deshalb können konkrete Fragen nur von der einzelnen Kommune beantwortet werden.

Infocenter

Informationen für Arbeitnehmer, Arbeitgeber und Behörden zu Steuer, sozialer Sicherung und Arbeitsmarkt auf: www.pendlerinfo.org

Publikationen

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